Konjunkturbarometer 2. Quartal 2026: Kernindustrien weiter unter Druck

Leichter Produktionsrückgang im ersten Halbjahr

Die verhaltene Stimmung schlägt sich auch in den realen Produktionsdaten nieder: Die Herstellung von Aluminiumhalbzeugen sank im ersten Halbjahr 2026 um zwei Prozent auf knapp 1,15 Millionen Tonnen (Q2 2026: 580 266 Tonnen; -3 Prozent). Auch im Recyclingbereich ging das Gesamtvolumen im ersten Halbjahr um zwei Prozent auf rund 1,36 Millionen Tonnen zurück (Q2 2026: 671 236 Tonnen; -2 Prozent). Damit setzt sich der schleichende Abwärtstrend im Gesamtrecycling der vergangenen Jahre weiter fort. Eine kleine Ausnahme bildeten lediglich die Refiner, die im ersten Halbjahr ein Plus von rund vier Prozent auf 253 400 Tonnen verzeichneten.

Geopolitische Spannungen erhöhen den Kostendruck

Zusätzliche Belastungen entstehen durch geopolitische Spannungen: Im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt berichten 85 Prozent der Unternehmen von steigenden Inputkosten für Rohstoffe und Vormaterialien. 65 Prozent beobachten eine zunehmende Verunsicherung ihrer Kunden, 40 Prozent melden Störungen in den Lieferketten. Für die kommenden Monate rechnen 65 Prozent mit weiteren Kostensteigerungen und 60 Prozent mit zusätzlichen Lieferengpässen. Als Reaktion haben 70 Prozent der Unternehmen bereits Preisanpassungen vorgenommen, 55 Prozent ihre Lieferketten angepasst.

Wettbewerbsdruck aus China und angespannte Rohstoffmärkte

Auch der internationale Wettbewerb bleibt eine zentrale Herausforderung. 85 Prozent der Unternehmen sehen China zumindest teilweise als Risiko für den Industriestandort Deutschland, bei etwas mehr als der Hälfte (55 Prozent) überwiegen die Risiken gegenüber den Chancen deutlich. Als größte Risiken werden der Preis- und Unterbietungswettbewerb (90 Prozent), unterschiedliche Umwelt- und Sozialstandards (65 Prozent) sowie Abhängigkeiten bei Rohstoffen (55 Prozent) genannt. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen befürchtet zudem Auswirkungen bei der Schrottversorgung.
Die Rohstoffversorgung im Recyclingbereich bleibt insgesamt herausfordernd: 80 Prozent der Unternehmen spüren eine Verknappung auf dem europäischen Markt für Aluminiumschrotte. Als größte Probleme nennen 80 Prozent die hohen Schrottpreise, 50 Prozent die eingeschränkte Verfügbarkeit von Post-Consumer-Schrotten und 45 Prozent die mangelnde Verfügbarkeit von Pre-Consumer-Schrotten.

Standortpolitik entscheidet über künftige Wettbewerbsfähigkeit

Die Umfrageergebnisse verdeutlichen damit die aktuelle Zwickmühle der Branche: Während Industrien wie Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Verpackung als Stabilitätsanker fungieren, verharren die industriellen Volumenmärkte wie Automobil, Bau und Maschinenbau in der Stagnation. Zusammen mit geopolitischen Herausforderungen, hohen Rohstoffkosten und dem internationalen Wettbewerbsdruck verschärft dies die Standortbedingungen in Deutschland spürbar.

„Wir dürfen das Fundament unserer heimischen Industrie in dieser Umbruchphase nicht aufs Spiel setzen. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland langfristig zu sichern, braucht es verlässliche energie- und industriepolitische Rahmenbedingungen sowie faire Wettbewerbsbedingungen auf den internationalen Märkten“, so Rob van Gils, Präsident von Aluminium Deutschland.

Über Aluminium Deutschland e. V. 

Aluminium Deutschland e. V. ist die Stimme der deutschen Aluminiumindustrie. Der Verband vertritt die politischen, wirtschaftlichen und technischen Interessen seiner rund 135 Mitglieder entlang der gesamten Aluminiumwertschöpfungskette von der Primäraluminiumproduktion über Halbzeuge bis hin zur Weiterverarbeitung von Aluminium. Aluminium ist aufgrund seiner Eigenschaften unverzichtbar für Schlüsselbranchen wie die Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Energieerzeugung und Bauwesen sowie für Verbraucherprodukte wie Haushaltsgeräte und innovative Verpackungslösungen. Aluminium Deutschland macht sichtbar, welchen Beitrag die deutsche Aluminiumindustrie für eine innovative und nachhaltige Zukunft leistet. Weitere Informationen unter www.aluminiumdeutschland.de.

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